Seit 534 v. Chr. fährt der „Thespiskarren"
Und seit 35 Jahren fährt die Bad Kleinkirchheimer Laienspielgruppe mit.

Thespis ist der älteste überlieferte Schauspieler und Dramatiker Altgriechenlands, der um 534 v. Chr. als erster Schauspieler im Festzug des Dionysos-Chores im Thespiskarren mitfuhr. Dies ist wohl als Geburtsstunde der Schauspielkunst anzusehen, denn hier trat das erste Mal zum spirituellen Gesang des Dionysos-Chores die Kunst der Darstellung ebenbürtig in Erscheinung.
In der für die Bühne bestimmten literarischen Form der Dramatik werden Konflikte zwischen Mensch und Göttern, der Kampf des Einzelnen gegen seine Mitwelt, der Kampf zweier Rivalen oder der Kampf einer Person gegen sein eigenes Ich ausgetragen. Das ist der Stoff, aus dem „Theater" gemacht wird.
Eine „Laienspielgruppe" setzt sich normalerweise eher mit dem komödiantischen Schauspiel auseinander, denn Leute wollen sich beim Theaterbesuch entspannen, wollen lachen. Auch wenn das „zum Lachen bringen“ schon beachtliche Schauspielkunst erfordert, so ist es doch eine große Herausforderung, Menschen zu erschüttern und zum Nachdenken anzuregen. An Problemstücke hat sich die Bad Kleinkirchheimer Laienspielgruppe unter der bewährten und engagierten Leitung von Heinz Hinteregger schon etliche Male herangewagt – und Erfolg damit gehabt.

Die lange Tradition der „Bad Kleinkirchheimer Laienspielgruppe"

Alles begann im Jahre 1957 im Rahmen der WKG (Werkskulturgemeinschaft) Radenthein unter der Leitung von Ing. Viktor Pretterebner im Saal der ÖAMAG (heute RADEX). Auch Kirchheimer Laiendarsteller wie Engelbert Stallegger, Lydia Rauter, Liesl Bürger, Kathi Grabner und Heinz Hinteregger zählten zu dem erfolgreichen Theaterensemble in Radenthein.
Da das Publikumsinteresse in Radenthein mit den Jahren nachließ, entschloss man sich 1978 in Bad Kleinkirchheim neu Fuß zu fassen und vollzog mit dem Stück „Mein Mann, der Dieb" einen geglückten Neubeginn. Als Obmann wurde der engagierte Darsteller Heinz Hinteregger berufen, Ing. Viktor Pretterebner blieb Spielleiter. Unter seiner Leitung wurden in den folgenden Jahren 13 erfolgreiche Aufführungen auf die Bühne in Bad Kleinkirchheim gebracht.
Ab 1991 übernahmen abwechselnd Heinz Hinteregger und Margit Pulverer die Spielleitung, die gemeinsam die neue Linie kreierten: mehr Komödien und feinsinnige Lustspiele mit einem Trend zu englischen Lustspielautoren.
1998 feierte das Ensemble mit „Pension Schöller“ ein würdiges 20-Jahr-Jubiläum. Prof. Sepp Ortner schrieb in den „Bad Kleinkirchheimer Nachrichten": „Sieben Aufführungen während des vergangenen Sommers waren großteils ausverkauft. Die Leistungen etlicher Laiendarsteller verdienen höchstes Lob! Das künstlerische Niveau dieser Spielgruppe reicht vielfach über den Begriff ‚Laientheater‘ hinaus. Vor ausverkauftem Festsaal agierten mit Schwung und Elan: Liesl Bürger, Margit Pulverer, Gabi Schober, Anja Gruber, Gudrun Brunner; Heinz Hinteregger (zugleich Spielleiter), Jürgen Wildpaner, Franz Weißmann, Engelbert Stallegger, Gert Kaiser und Peter Krainer (Gastauftritt).“
Im gleichen Jahr wagten sich Spielleitung und Darsteller mit dem Stück „Kein Platz für Idioten“ auf problematisches Terrain. Prof. Sepp Ortner: „Tief beeindruckt ging ich von der überzeugend gespielten Aufführung des Problemstückes ‚Kein Platz für Idioten‘, vom zeitkritischen Erfolgsautor Felix Mitterer, heim. (...) Damit hat sich die Laienspielgruppe selbst das größte Geschenk gemacht: Bühne als volksbildnerische Wirkstätte. Großartig das Spiel jedes einzelnen Darstellers! Dieses Spiel ist nur möglich, solange Darsteller mit Herz und Sinn in ihren Rollen aufgehen."
Zum 25-jährigen Jubiläum 2003 erreichte die Laienspielarbeit mit Felix Mitterers „Munde" gleich zwei Höhepunkte: einmal war es eine begeisternde Freiluftaufführung und dazu auf über 2000 m Seehöhe in Vollmondnächten auf der Kaiserburg.
In den folgenden Jahren standen wieder Komödien von englischen Autoren auf dem Programm: von „Doppelt leben hält besser" (Ray Cooney) über „Boeing Boeing“ (Mark Camoletti) bis hin zu Agatha Christie's „Die Mausefalle".
Ein besonderes Highlight erwartete die Zuschauer 2006 mit „Heiter und so weiter“, einer Zusammenstellung des Besten vom Besten des deutschsprachigen Kabaretts.
Im Jahre 2008 legte Obmann Heinz Hinteregger nach 29 Jahren Führungs- und Mitarbeit das Geschick des Vereines in die Hände seiner langjährigen Schauspielkollegin Gabi Schober.

Seit 1978 erreichte die Laienspielgruppe mit rund 230 Aufführungen an die 50.000 begeisterte Theaterbesucher. Und wenn es nach ihnen geht, stehen den nächsten 50.000 nichts im Wege.

2013 – 35 Jahre Laienspielgruppe Bad Kleinkirchheim

Nach der erfolgreichen Freiluftaufführung von Felix Mitterers “Munde“ im Jubiläumsjahr 2003 wendet sich die Kleinkirchheimer Laienspielgruppe 2013 mit „Zwölfeläuten" von Heinz. R. Unger mutig einem weiteren brisanten zeitgeschichtlichem Thema zu.
Das Drama „Zwölfeläuten“ ist eine Erzählung über die Wirren der letzten Kriegstage, den Untergang der Naziherrschaft und den Aufbruch in eine neue Zeit, gespiegelt am Schicksal eines kleinen steirischen Dorfes. Unger gelingt es, sich über SSler, Nazibonzen und Mitläufer lustig zu machen, ohne je das Grauen jener Zeit zu bagatellisieren. Mit seinen treffsicher gezeichneten Charakteren und Szenen, bei denen einem das Lachen im Hals stecken bleibt, liefert Unger einen anderen Ansatz zur Vergangenheitsbewältigung. Gleichzeitig ist dieses Stück nicht nur Blick in die Vergangenheit, sondern hat auch – leider – heute noch glaubwürdigen Aktualitätsbezug.

Prof. Sepp Ortner